An Wesen

Skulpturen für Silberfischchen, 2025. Keramik mit Abdrücken von Käfer-Essgängen, Silberfischchen-Ködertablette, menschliche Haare, Pappe, Schimmel, Draht, Zucker.

Teil der Ausstellung „Heterotopische Gesänge“, Kunstverein Gera. Erster Teil einer größer angelegten künstlerischen Recherche mit Hilfe von Audiointerviews zum Verhältnis von Menschen zu anderen Lebewesen in ihrem Nahbereich. Die gemeinsame Lebensräume werden manchmal bewußt geteilt, z. B. mit Katzen und Hunden, oft jedoch unfreiwillig, unbewußt oder sind mit Ängsten verbunden. Indem wir Menschen zu ihrer Beziehung zu Lebewesen im Haushalt – von Spinnen bis hin zu Silberfischchen – befragen, setzen wir uns mit unserem Kontrollbedürfnis, Vorstellungen von Hygiene und der Zweiteilung in „Schädling“ und „Nützling“ auseinander. In den Interviews beschreiben die Teilnehmenden, wie sich ihre Beziehung zu den anderen Lebewesen in ihrer Umgebung entwickelt hat, wobei oft ein Wandel von einer diffusen Angst vor dem Unbekannten hin zu Neugierde gegenüber jedem einzelnen Lebewesen zu beobachten ist.

„Ich glaube, Silberfischchen verschmeißen viele Leute mit unhygienisch und mit Dreck sozusagen zusammen, also dass das Badezimmer irgendwie ungepflegt wäre oder unhygienisch, das stimmt aber gar nicht. Also deswegen treten die da nicht gehäuft auf, das habe ich extra nachgelesen, aber das ist, glaube ich, in vielen Köpfen so drinnen.“

„… weil ich einen Freakout hatte, dass eine richtig fette große Spinne in meinem Bett war oder so. Da hat er gemeint, okay, also wir haben unser Haus hier in die Fläche von den Spinnen gesetzt. Also wir wohnen tatsächlich in deren Wohnumfeld und das heißt, wir müssen mit denen klarkommen, weil wir teilen diese, ja, Wohnorte und die gehören dazu. Also das ist nicht so, als wären die Pests und kommen hier rein. Andersrum.“

„… dass ich sehr stark darauf achte, keine Zecken im Garten zu haben. Und
[…] dass ich auch ein Schädlingsbekämpfungsmittel verwende, sogenannte
Zeckenrollen.“

„Aber auch der Begriff Volksschädling, dann breiter angewandt auf Leute, die
angeblich nicht arbeiten wollen, und das ist ja ein Diskurs, den wir gerade mit
Schrecken sehen müssen, dass der wiedererweckt wird.“